• Rechtsanwältin Swetlana Neff

Doch kein Urlaub? Was gilt, wenn euer Betrieb überlastet ist?

Letzte Woche haben wir darüber gesprochen, was passiert, wenn der Betrieb zu wenig Arbeit für seine Arbeitnehmer hat. Stichwort Betriebsferien. Heute wenden wir uns dem umgekehrten Fall zu: Was gilt, wenn der Betrieb überlastet ist, also zu viel Arbeit für zu wenige von euch da ist?

Bevor der Arbeitgeber neu einstellt, wird er vermutlich versuchen, alle bereits vorhandenen Arbeitskräfte einzusetzen. Häufig kommt die Mehrarbeit plötzlich und stimmt nicht mit der Monats- oder Jahresplanung überein. Daher ist vielleicht der eine oder andere von euch in Urlaub. Und dann ruft plötzlich der Chef an. Was nun?


Wenn ihr eurem Chef entgegenkommen möchte, dürft ihr dies natürlich immer tun. Dann habt ihr eine einvernehmliche neue Einigung getroffen und euer Chef schuldet euch weiterhin mindestens den gesetzlichen Mindesturlaub. Und ein guter Chef ist dazu noch äußerst dankbar.


Doch was, wenn ihr nicht arbeiten wollt? Müsst ihr dann trotzdem?


Nein, müsst ihr nicht. Zumindest nicht, wenn es sich um den gesetzlichen Mindesturlaub handelt. Wenn euer Arbeitgeber euren Urlaub einmal bewilligt hat, muss er sich dran halten.


Nur in sehr seltenen Notfällen kann sich euer Arbeitgeber auf eine sogenannte Störung der Geschäftsgrundlage berufen. Man spricht dann davon, dass alles andere ihm schlicht nicht zumutbar ist. Da muss aber eine Menge für zusammenkommen. Einfach plötzlich mehr Arbeit da reicht hierfür nicht. Vielmehr müssen eurem Arbeitgeber nicht hinnehmbare große Nachteile entstehen. Und dabei wird immer auch berücksichtigt, was der Verzicht auf den Urlaub für euch bedeutet.


Soweit ihr mehr als den gesetzlichen Mindesturlaub erhaltet, sieht die Angelegenheit schon wieder anders aus. Dann darf euer Arbeitgeber diese weiteren Urlaubstage möglicherweise widerrufen. Doch auch dies kann er nicht einfach nach Gusto. Er muss sich dieses Recht per Vertrag oder Betriebsvereinbarung vorbehalten haben und sich dann auch noch daran halten, welche Vorgehensweise zum Widerruf vereinbart worden ist.


Das oben war die rechtliche Seite dieser Sache. Ganz anders kann es natürlich menschlich oder wirtschaftlich aussehen. Wenn ihr ein gutes Verhältnis zu eurem Chef habt und zufrieden seid in eurem Betrieb, solltet ihr euch vielleicht überlegen, ob es Sinn macht, den Chef und die Kollegen mit der Mehrarbeit alleine zu lassen. Viele gute Arbeitgeber zeigen sich äußerst dankbar, wenn ihre Arbeitnehmer Rücksicht nehmen. Und schließlich passiert es auch euch mal, dass die Arbeit zu viel wird und dann freut ihr euch auch über Unterstützung. Eine Hand wäscht die andere, heißt es an dieser Stelle. Und falls ihr den Urlaub bereits gebucht habt, könnt ihr das genauso ansprechen. Häufig zahlt ihr erheblich weniger bei einem Rücktritt und je nachdem rechnet es sich für den Arbeitgeber diese Kosten zu übernehmen und dafür eure Arbeitskraft vor Ort zu haben. Sprecht solche Themen ruhig offen an. Nur dann können gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, die sowohl eure Belange berücksichtigen als auch die Mehrarbeit im Betrieb.


Falls ihr euch mit dem Arbeitgeber nicht gut versteht, werden gemeinsame Lösungen kaum erarbeitet werden können. Den Urlaub zu verschieben wäre vielleicht eine Möglichkeit, das Verhältnis zum Arbeitgeber zu verbessern. Natürlich auch hier gegen eine entsprechende Würdigung. Auf keinen Fall solltet ihr auf den Kosten sitzen bleiben müssen, die der Rücktritt vom Urlaub für euch bedeutet. Ihr opfert genug mit der Bereitschaft zu arbeiten und die Erholung zu verschieben. Und wenn alle Stricke reißen, bleibt bei eurem genehmigten Urlaub. Soweit es der gesetzliche Mindesturlaub ist, kann euch kein Chef zwingen wieder zu arbeiten.

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Und nächste Woche Montag erfahrt ihr, woran ihr einen guten Rechtsanwalt erkennt.

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