• Rechtsanwältin Swetlana Neff

Muss mein Chef meine Überstunden bezahlen?

Die Antwort auf diese Frage hängt wie häufig von vielen Faktoren ab. Der erste wichtige Faktor ist: Sind es überhaupt Überstunden?


Von Überstunden spricht man erst, wenn ihr mehr arbeitet als ihr entsprechend eurem Arbeitsvetrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem für euch geltenden Tarifvertrag müsstet. Ihr solltet also zunächst herausfinden, welcher Wert für eure regelmäßige und von euch geschuldete Arbeitszeit gilt.

Nur so nebenbei: Falls ihr in Teilzeit arbeitet, gelten für euch natürlich andere geschuldete Arbeitszeiten als für Arbeitnehmer in Vollzeit.


Der zweite wichtige Faktor ist: Wurde vereinbart, dass Überstunden bei Bedarf geleistet werden müssen?


Eurem Chef steht zwar grundsätzlich ein Weisungsrecht zu. Dieses allein reicht allerdings nicht aus, um Überstunden anzuordnen. Basis für diese Weisung muss vielmehr eine Vereinbarung in eurem Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem für euch geltenden Tarifvertrag sein.


Der dritte Faktor: Hat euer Chef die Überstunden angeordnet?


Das klingt banal, ist aber sehr wichtig. Ihr dürft nicht eigenmächtig entscheiden Überstunden zu leisten. Damit drängt ihr eure Arbeitskraft eurem Chef auf. Vielleicht ist er auch anderer Meinung als ihr und möchte die zusätzlichen Arbeiten nach und nach im Rahmen der gewöhnlichen Arbeitszeit erledigen lassen. Das ist das Vorrecht eures Chefs und letztlich trägt auch die Konsequenzen, wenn das eine falsche Entscheidung war. Vergewissert euch daher bitte, ob euer Chef damit einverstanden ist, dass ihr zum Arbeiten länger da bleibt.


Viertens: Wenn also alle obigen Fragen mit "Ja" beantwortet wurden, sind Überstunden im rechtlichen Sinne geleistet worden. Muss der Chef sie jetzt auszahlen?


Nicht zwingend. Es ist richtig, dass euer Chef nicht von euch verlangen kann, dass ihr umsonst arbeitet. Geschuldet wird dann allerdings nicht unbedingt die Auszahlung der Überstunden. Manchmal ist z.B. in eurem Arbeitsvertrag ein sog. "Freizeitausgleich" vorgesehen. Das führt dazu, dass ihr an anderen Tagen innerhalb der nächsten Zeit weniger oder gar nicht arbeiten müsst, um das auszugleichen.


Falls kein Freizeitausgleich (in Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag) vorgesehen ist, kann natürlich niemand von euch verlangen, dass ihr mehr arbeitet ohne mehr gezahlt zu bekommen. Dies gilt zumindest für normale Arbeitnehmer, und auch für Auszubildende.


Wenn ihr leitende Angestellte seid, kann dies jedoch anders aussehen. Häufig ist hier die Vergütung von Überstunden zum Teil ausgeschlossen. Im Arbeitsvertrag findet sich meist eine Klausel, die sinngemäß sagt, so und so viele Überstunden pro Monat sind im Monatsgehalt mitvergütet und werden nicht gesondert ausgezahlt. Das hängt häufig damit zusammen, dass leitende Angestellte ein viel höheres Gehalt erhalten als "normale" Arbeitnehmer. Ob diese Klausel im Einzelfall wirksam ist, darüber lässt sich häufig streiten.


Ich berate euch gerne zu allen Themen rund um die Vergütung eurer Arbeitskraft. Vereinbart eine kostenlose Ersteinschätzung und macht euch selbst ein Bild.


Nächste Woche gehen wir ein wenig mehr in die Tiefe, was Überstunden angeht. Lest mehr darüber, in welchem Umfang Überstunden gezahlt werden müssen (Stichwort Lohnzuschläge).

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